FRANZ HÖRMANN: Das Paradies bei begrenzten Ressourcen


 As the euro financial system enters its death throes  — and good riddance to the  ECB –, it is time to think about what will come after it.

Vienna Economics Professor Franz Hörmann discusses a new, exciting and enlightened financial model, showing how humanity can enjoy paradise even with limited ressources. English version coming soon.

Das Paradies bei begrenzten Ressourcen

 Franz Hörmann

Die Maximierung von Geldbeträgen verknappt stets das Geld und räumt dem Zahlungsmittelmonopolisten (Geschäftsbanken, die im Kredit verzinstes Schuldgeld erzeugen) eine unbegrenzte Machtstellung ein. Die Bewertung von Gütern und Dienstleistungen in Geld ist aber stets subjektiv, nicht falsifizierbar und damit willkürlich. Auch die Bewerter erhalten damit eine nicht zu rechtfertigende Machtposition. Das „Naturgesetz“ von Angebot und Nachfrage ist hingegen das Übervorteilungsmodell realwirtschaftlichen Unternehmenseigentümer (Shareholder).

Die Prosumenten-Ökonomie geht vom Letztverbraucher aus, der alle Wertschöpfungsketten im System bezahlt, und in dessen Rolle wir uns letztlich auch alle befinden (auch die Bewerter, Banker und Unternehmenseigentümer sind im Privatleben Konsumenten!). Prosumenten erzeugen in Kooperation die Dinge, die sie benötigen bzw. verwenden wollen und kooperieren dazu freiwillig und transparent, da auf diese Art und Weise am schnellsten neue Methoden verbreitet und gelernt werden können. So gelangen wir über die Kooperations- auch in die Wissensgesellschaft.

 Während das heutige Geldsystem auf der kapitalistischen Maximierung positiver Werte basiert, um welche sich dann ein Kampf entfaltet (Knappheitsdenken, Konkurrenz), liegt dem neuen ökosozialen Bewertungssystem die Minimierung schädlicher Aspekte der Produktion zugrunde. Für die Wünsch und Ansprüche der Menschen gibt es keine Obergrenze, die Ressourcen des Planeten sind aber sehr wohl begrenzt. Wenn wir aber anstatt Positives zu maximieren, Negatives zum Verschwinden bringen, dann ist Null die natürliche Grenze. Die Reduktion unerwünschter Produktionsaspekte (anstrengende menschliche Tätigkeiten, Umweltbelastungen, Raubbau an Ressourcen, Bedrohung von Tier- und Pflanzenwelt etc.) wird somit zur Grundlage der neuen quantitativen Bewertungsfunktion der ökosozialen Gesellschaft. Der kapitalistischen Maximierung (mit Verknappungsfolgen) halten wir die ökosoziale Minimierung (mit Überfluss für alle als Konsequenz) entgegen!

 Reduzieren wir unnötige Arbeiten, erhöht sich automatisch für alle Menschen die Freizeit. Vermindern

wir den Schadstoffausstoß, erhöht sich automatisch die Umweltqualität etc. Wir messen nur das,

was wir minimieren wollen, im Ergebnis ergibt sich zwar keine Maximierung (die ohnehin an der

Endlichkeit der Ressourcen scheitern muss), aber jedenfalls die bestmögliche Verbesserung für die

gesamte Gesellschaft.

 

Aus der Kombination der unterschiedlichen ökologischen (Ressourcen- und Umweltschonung) und

sozialen (Reduktion sinnloser und schädlicher Arbeit) Bewertungen ergibt sich sodann ein neuer,

mehrdimensionaler Preis als Grundlage der Verteilung der Produkte und Dienstleistungen in der

Gesellschaft. Sinnlose Arbeit und Schadstoffe will niemand besitzen, daher wird es nicht zu Gier und

Verteilungskämpfen kommen. Eigentum wird nebensächlich, da alles, das ökosozial produziert wird

prinzipiell auch allen Menschen zur Verfügung gestellt werden kann. Anstatt ans Haben zu denken

(kapitalistische Maximierung) werden die Menschen erkennen, dass sie durch ihre Fähigkeiten und

ihre Kreativität mehr für die Gesellschaft und damit auch für sich selbst bewirken können (ökosoziale

Minimierung), wodurch sie sich dem Sein (i.S. Erich Fromms) zuwenden werden.

 

Auch in der von uns vertretenen Abstimmungsmethode (dem SK-Prinzip, siehe http://www.sk-

prinzip.net) werden nicht Pro-Stimmen maximiert, sondern Kontra-Stimmen minimiert um zu einer

optimalen Konsenslösung zu gelangen (systemisches Konsensieren). Dieser Grundsatz ist im Bereich

des neuen ökosozialen Rechnungswesens ebenfalls gültig.

 

Die erste quantitative Messung in der Ökonomie waren die durch den Einsatz von Dampfmaschinen

eingesparten menschlichen Arbeitsstunden. Auch hier wurde daher schon das Minimierungsprinzip

angewendet. Die Idee durch Arbeit im Gegenzug Kaufkraft zu erwerben ist unsinnig und schädlich,

da die Menschen so von Tätigkeiten, die im Zeitablauf nicht mehr benötigt werden, weil etwa

schnellere oder billigere Maschinen erfunden werden, dennoch einkommensmäßig davon abhängig

sind. Nutzlose Tätigkeiten immer noch aufrecht zu erhalten um den Menschen ein Einkommen zu

garantieren ist daher zur vordringlichen Tätigkeit politischer Lobbies geworden.

 

Menschen sollten aber tätig werden, weil die Tätigkeit selbst sie inspiriert (sie etwa in ihrer

persönlichen Entwicklung weiterbringt) oder weil sie für andere nützlich ist. Keinesfalls sollte eine

Arbeitsleistung als Tauschobjekt verwendet werden. Tauschen ist Täuschen – nicht umsonst besitzen

diese Wörter den gleichen Stamm! Wer tauscht, der maximiert immer die erhaltene Gegenleistung,

niemals seine eigene Leistung, die er dem anderen (Tauschpartner) zur Verfügung stellt. Dieses

Täuschungsverhalten ist so vollkommen in die heutigen Wirtschaftsabläufe integriert, dass es von uns

als völlig normal wahrgenommen und auch nicht mehr kritisiert wird.

 

Wir unterscheiden in Zukunft daher auch nicht mehr zwischen Arbeits- und Freizeit (die im heutigen

System eigentlich eine „Konsumzeit“ ist), sondern zwischen selbstbestimmter und fremdbestimmter

Lebenszeit. Die fremdbestimmte Lebenszeit gilt es zu minimieren, dann wird die selbstbestimmte

automatisch wachsen. Und wenn wir die negativen Einflüsse auf unsere Gesundheit minimieren

werden, dann wird sich die Lebenszeit und –qualität automatisch erhöhen, auch wenn wir sicher

nicht ewig leben werden. Die Maximierung positiver Aspekte in einem begrenzten System ist ein

gefährlicher Unsinn, die Minimierung der negativen Aspekte hingegen ein empirisch überprüfbares

Erfolgskonzept.

 

Die naive, kapitalistische Definition des Paradieses lautete: „Das Paradies ist dann erreicht, wenn

sich alle Menschen alle ihre materialistischen Wünsche erfüllen können.“ Es leuchtet ein, dass dies

bei begrenzten Ressourcen unmöglich ist, daher muss sich dieses Paradies auch ewig im Jenseits

befinden. Wenn wir seine Definition jedoch ändern: „Das Paradies ist dann erreicht, wenn es für

keinen Menschen mehr negative Aspekte in seinem Leben gibt.“, dann ist es jederzeit im Hier und

Jetzt erreichbar – und wir können schon heute mit seiner Erschaffung beginnen!

 

Erklärung der gesellschaftlichen Bewertungsfunktion: Alle Individuen in einer Gesellschaft orientieren

sich an bestimmten Attributen, welche als äußere Zeichen für etwas Erstrebenswertes verwendet

werden. Reiche Menschen “erkennt” man üblicherweise an ihren dickeren Autos, schickeren Anzügen

sowie am forscheren Auftreten (“Durchsetzungskraft”). Diese Attribute signalisieren “materiellen

Erfolg” und dieser soll in unserer Gesellschaft maximiert werden. Darüber haben sich die Menschen

zwar kaum bewusst Gedanken gemacht – obwohl, wenn man Edward Bernays kennt, vielleicht ist’s

ja doch eine geplante Konstruktion? Unser “Erfolg” in der Zukunft ist das Vermeiden schädlicher

Aspekte: ich mach’ mich selber arbeitslos, wenn meine Tätigkeit öd, blöd, ungesund, anstrengend,

umweltschädlich oder sowas ist und erzeuge aber dennoch den gleichen Nutzen. Wir sparen Material

oder Energie in Produktionsprozessen, wir reduzieren Schadstoffe in Lebensmitteln, wir lassen mehr

Pflanzen und Tieren ihren Freiraum etc. etc. Alle diese “Helden” werden mit Kaufkraft (Gutscheinen,

die auf tatsächliche Güter oder Dienstleistungen lauten) belohnt. Wenn der Gutschein ausgegeben

(bzw. eingebucht) wird, erhält der Empfänger sofort Zugriff auf die Prozesskette, die seine Belohnung

produziert. Er sieht dann auch gleich, woran es liegt, dass er z.B. sein Automobil erst in 6 Monaten

erhalten kann (also den Engpass). Alle Konsumenten erhalten nämlich mit den Warengutscheinen

auch Zugriff auf die Prozesskette (sind damit also Prosumenten) und können Vorschläge einbringen,

die dann auch transparent diskutiert und dokumentiert werden. So werden die Prozesse laufend

mit neuem Wissen angereichert, das dann zu Strukturveränderungen der Prozesse führt. Wenn

unser “Held” also dann einen Vorschlag liefert, wie der Engpass überwunden werden kann, er also

schneller zu seinem Automobil gelangt, dann erhält er dafür sofort den nächsten “Belohungsgutschein”

– mit Zugriff auf die nächste Prozesskette, die er auch wieder verbessern kann.

 

Natürlich gibt’s dann auch sowas wie “Deutschland sucht den Superstar”, aber nicht nur für Sänger

und Tänzer, sondern für Menschen, die einfach die besten gemeinschaftsnützlichen Ideen haben. Die

werden vorgestellt und “über Nacht zum Star”. Wir wissen nämlich aus der Hirnforschung, dass für

die meisten Menschen Ruhm noch attraktiver wirkt als Einkommen.

 

Und damit wir unsere “Helden” (Role Models) auch in der Öffentlichkeit erkennen, werden wir ihnen

optische Zeichen mitgeben: witzige Hüte, bunte Halstücher, whatever. So wie wir heute instinktiv

beeindruckt sind, wenn jemand im Maßanzug aus einem dicken Mercedes steigt und dabei grimmig

dreinschaut und sich rücksichtslos vordrängt, so werden wir in Zukunft jene insgeheim beneiden, die

mit einem bunten Schal besonders hilfsbereit und höflich sind und zusätzlich, als Erkennungsmerkmal

 

der neuen Elite, immer ein Lächeln im Gesicht tragen. Es ist nur eine Frage der Übung, bis sich diese

neuen sozialen Spielregeln massenhaft in der Gesellschaft verbreiten.

 

Durch die praktische Übung dieses Verhaltens erwerben die Individuen dann ein Gefühl dafür. Sie

orientieren sich an den sozialsten, hilfsbereitesten, kreativsten und freundlichsten Mitmenschen.

Nicht mehr der “Starke”, der “unbeirrt seinen einsamen Weg geht” wird zum Vorbild (wie die alten

Wildwest-Stars, wo Gewalt und Rücksichtslosigkeit dann gerechtfertigt war, wenn man “im Recht”

war), sondern Mitmenschen, die sich wirklich für andere da sind um deren Sorgen zu teilen, ihnen zu

helfen sich weiterzuentwickeln, die Welt zu verstehen und sie zum Positiven zu verändern.

 

Das Minimumgesetz von Justus Liebig passt dann sehr gut mit meinem “ökosozialen Minimieren”

zusammen, wenn man die “Schädlichkeit” als Differenz zwischen dem gewünschten Wert und

dem tatsächlich vorhandenen Wert interpretiert und dann diese Differ…enz zu minimieren trachtet.

Dann passt es genau, das stimmt 😉 Auf diese Art und Weise kann man dann auch positive Aspekte

durch “ökosoziales Minimieren” erhöhen, indem eben die Differenz zwischen Optimum und Ist auf

Null reduziert (Achtung: immer “Optimum” und NIE “Maximum”!).

10 Responses to FRANZ HÖRMANN: Das Paradies bei begrenzten Ressourcen

  1. […] #split {}#single {}#splitalign {margin-left: auto; margin-right: auto;}#singlealign {margin-left: auto; margin-right: auto;}.linkboxtext {line-height: 1.4em;}.linkboxcontainer {padding: 7px 7px 7px 7px;border-width:0px; border-style:solid;}.linkboxdisplay {padding: 7px 7px 7px 7px;}.linkboxdisplay td {text-align: center;}.linkboxdisplay a:link {text-decoration: none;}.linkboxdisplay a:hover {text-decoration: underline;} function opensplitdropdown() { document.getElementById('splittablelinks').style.display = ''; document.getElementById('splitmouse').style.display = 'none'; var titleincell = document.getElementById('titleincell').value; if (titleincell == 'yes') {document.getElementById('splittitletext').style.display = 'none';} } function closesplitdropdown() { document.getElementById('splittablelinks').style.display = 'none'; document.getElementById('splitmouse').style.display = ''; var titleincell = document.getElementById('titleincell').value; if (titleincell == 'yes') {document.getElementById('splittitletext').style.display = '';} } Der große Übergang des GeisteserINNERE dich… Ahnen & TantricHealingKönnen magnetische Felder einfrieren?Magersucht und das Thema GesundheittxturSneak Peak – Sacred Spaces and Power Places in HawaiiFRANZ HÖRMANN: Das Paradies bei begrenzten Ressourcen […]

  2. […] Alle Marken des VW-Konzerns führen eigenständige Classic-Abteilungen. Sie sollen die Produkthistorie lebendig erhalten und erfahrbar machen. Paefgens Aufgabe wird es sein, diese Aktivitäten der Marken aufeinander abzustimmen und repräsentative Pflichten zu übernehmen. Los geht’s bei der 3. Schloss-Bensberg-Classics (16. bis 18. September). Unter seinem Vorsitz wird eine Jury aus renommierten internationalen Automobilexperten die Fahrzeuge beim Concours d’Elégance bewerten und den Sieger küren. Seit Anfang 2011 ist der promovierte Ingenieur beratend für den Konzern tätig. (Auto-Reporter.NET/br)    Mouse here forArtikel zum ThemaArtikel zum ThemaFRANZ HÖRMANN: Das Paradies bei begrenzten Ressourcen […]

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